“Düsseldorf muss wieder ein Qualitäts-Flughafen werden”

Neben viel Papier hat Werner Kindsmüllen auch Zugriff auf eine umfangreiche digitale Datenbank zum Flughafen Düsseldorf. Foto: reinelt

Wenn Werner Kindsmüller am Himmel über Kaarst wieder ein Flugzeug sieht, erkennt er schon, welche Landebahn es am Flughafen Düsseldorf ansteuert. Der Vorsitzende des Vereins “Kaarster gegen Fluglärm” hat sich mittlerweile viel Detailwissen angeeignet. Der Verein hat vor kurzem sein fünfjähriges Bestehen vollendet.

Am 24. Februar 2014 gründeten ihn einige betroffene Bürger nach einer Informationsveranstaltung des Flughafens Düsseldorf zur geplanten Kapazitätserweiterung. Genau vor vier Jahren – am 27. Februar 2015 – reichte der Flughafen offiziell den Antrag ans Verkehrsministerium für mehr Flugbewegungen (Slots) pro Stunde ein: 60 statt bislang 45.  Ebenfalls im Februar – in 2017 – fand hierzu ein sechstägiger Erörterungstermin in der Messe Düsseldorf statt. Aktueller Stand ist, dass das Ministerium wohl nicht vor dem Jahr 2022 über die Kapazitätserweiterung entscheiden wird. Für Werner Kindsmüller, Vorsitzender der Kaarster Fluglärmgegner, ist die enorme Verzögerung ein voller Erfolg: “Die letzte Betriebsgenehmigung war nach dreizehn Monaten durch, jetzt sind schon vier Jahre vergangen. Das spricht dafür, dass über unser Anliegen das Verkehrsministerium nicht hinwegschauen kann”, so Kindsmüller.

Mittlerweile ist es in der Branche ziemlich unruhig. Den Pleiten von Air Berlin und zuletzt Germania werden nach Ansicht von Kindsmüller weitere folgen. Es herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb am Markt. Während der privat geführte Flughafen der Landeshauptstadt auf Wachstum drängt, haben andere Airports in Nordrhein-Westfalen Kapazitäten frei. “Köln/Bonn rechnet in diesem Jahr mit einer Million weniger Passagiere, andernorts müssen Flughäfen durch öffentliche Gelder subventioniert werden”, erklärt Kindsmüller.

Das Hauptargument der Fluglärmgegner bleibt, dass am Flughafen Düsseldorf die Struktur “am Boden” den bisherigen Kapazitäten schon nicht gewachsen sei und den Airport zu einem der unpünktlichsten in Deutschland mache. Ihre Forderung stattdessen: “Düsseldorf soll wieder ein Qualitäts-Flughafen werden, das heißt, es müsste sogar über eine Slotsverknappung gesprochen werden”, so Kindsmüller.

» Für Kampagnen und Haushaltsverteilungen kann ich immer rund 50 Leute mobiliseren. «
Werner Kindsmüller, Vorsitzender “Kaarster gegen Fluglärm”

Während es bei der Entscheidung über die Kapazitätserweiterung jetzt Abwarten heißt, legt der Verein verstärkt seinen Fokus auf die Einhaltung des Nachtflugverbots. In eine eigene Datenbank, die ein Vereinsmitglied programmiert hat, fließen automatisch alle öffentlich zugänglichen Daten zu den Flugbewegungen in Düsseldorf ein, die Kindsmüller mit ein paar Klicks einsehen und auswerten kann. Im vergangenen Jahr gab es 2436 Landungen nach 23 Uhr – seit Vereinsgründung hat sich diese Zahl verdreifacht. Den Protest unterfüttert man sachlich mit Argumenten und Anregungen für die Zukunft: beginnend bei der Frage, warum die Airlines auf Strecken, die sie mehrmals täglich fliegen, nicht größere Flugzeuge einsetzen für weniger Slots, bis hin zum Verweis auf neue Verfahren beim Landeanflug, die andernorts bereits erfolgreich durchgeführt werden und für Lärmminderung sorgen.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Protest der Kaarster Fluglärmgegner fast ausschließlich mit Werner Kindsmüller verbunden. Der rund 200 Mitglieder starke Verein verfügt aber über tatkräftiges Potenzial. “Für Kampagnen oder Haushaltsverteilungen kann ich immer rund fünfzig Leute mobilisieren”, so der Vorsitzende. Im vergangenen Jahr wurden für die Aktion “Um 22 Uhr muss Schluss sein” mehr als 4800 Unterschriften allein in Kaarst gesammelt. “Dabei haben wir auch Unterstützung aus der Wirtschaft erfahren. Geschäfte haben uns direkt gefragt, ob sie Listen auslegen können”, erzählt Kindsmüller. Am 26. April zum “Tag des Lärms” ist wieder eine Aktion geplant.